Die weißen Felsen der Alb

Der für die Landschaft der Schwäbischen Alb so prägende helle Kalkstein tritt an Straßenböschungen, herauswitternden Felsen oder Abbauwänden in Steinbrüchen zutage. Auch unter unseren Füßen befinden sich noch mächtige Schichten dieser Gesteine, die hunderte von Metern dick sind. Der Begriff „weißes Gold“ zeigt ihre Bedeutung als Rohstoff auf der Alb.  Doch wie sind sie entstanden?

Die Gesteine bildeten sich in der Zeit des Oberen Juras: Bis vor ca. 142 Millionen Jahren, war das Gebiet der heutigen Schwäbischen Alb von einem tropischen Flachmeer bedeckt. Verschiedene Arten von Meeresbewohnern lebten in seinem lichtdurchflutenden warmen Wasser und schützten sich durch Schalen und Skelettelemente aus Kalziumkarbonat (Kalzit). Das gelöste Material holten sie sich aktiv aus dem Meerwasser und nutzten es zum Aufbau ihrer Schalen (Biomineralisation). Starben diese kalkbildenden Organismen, blieben ihre Gehäuse übrig und sammelten sich als Kalkschlämme am Grund des Meeres.

Über Jahrmillionen wurde nun mehr und mehr Material sedimentiert. Immer mehr Druck lastete auf den tieferliegenden Schichten, dadurch wurde Wasser herausgepresst und die kleinen Kalkkörnchen, aus denen der Schlamm bestand, wurden verdichtet und „verkittet“. Ab einem bestimmten Druck setzten Lösungsprozesse ein, Mineralien wurden umkristallisiert, ersetzt oder bildeten sich neu. Diesen langsamen Prozess der „Versteinerung“ nennt man Diagenese.

Typisch für das Meer der Jurazeit waren auch riffartige Gebilde, sie wurden aber nicht wie heute von Korallen, sondern von Mikrobenmatten und Schwämmen gebildet. Überzüge aus Cyanobakterien hielten Kalkpartikel fest und bildeten dadurch dicke Krusten. Diese ehemaligen Riffstrukturen sind härter und widerstandfähiger als der sie umgebende Kalkstein, der aus Kalkschlamm entstanden ist. Sie bilden heute überwiegend die herauswitternden Felsen. Die strahlend weiße Farbe dieser sogenannten Massekalke zeigt die hohe Reinheit des Gesteins an, welches bis zu 99 Prozent aus dem Mineral Kalzit besteht.

Impressionen

  • Schaufelsen NP Ob. Donau
    Die weißen Felsen der Alb
  • Dünschliff eines Kalkstein mit erkennbaren Fossilienresten  (Bsp. nicht von der Alb)
    Kalkstein mit erkennbaren Fossilienresten unter dem Mikroskop (Bsp.nicht von der Alb)
  • Kalk entsteht v2
    Kalk entsteht aus Kalkschlamm, gebildet aus unzähligen Kalkschalen.