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Tertiär - Vulkane brechen aus, Meteoriten schlagen ein

Nach 50 Millionen Jahren ist es dann endlich soweit, das Jurameer zieht sich zurück, die Alb wird zum Festland. Doch nur wenige Spuren aus dieser Zeit der Kreide und des frühen Tertiärs haben sich erhalten. Der Grund dafür liegt in der starken Abtragung, die alle Zeugnisse aus dieser Zeit fast restlos beseitigte. Die spannendsten Überbleibsel des Tertiärs sind die Zeugnisse zweier Naturkatastrophen mit großen Folgen.

Der Schwäbische Vulkan
Auf der Schwäbischen Alb brachen im Tertiär, zwischen 18 und 10 Millionen Jahren, viele Vulkane aus, die teilweise noch heute im Landschaftsbild zu erkennen sind. Das basaltische Magma stieg in die zerklüftete Erdkruste auf und riss Gesteinsbrocken aus dem Grundgebirge sowie den überlagernden Schichten der Trias und des Juras mit sich. Beim Zusammentreffen mit dem Grundwasser im oberen Weißen Jura kam es zu gewaltigen Wasserdampf-Explosionen, welche die überlagernden Schichtkomplexe wegsprengten. So entstanden riesige Sprengkessel, die sich später mit Wasser füllten und große Süßwasserseen auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb bildeten.

Im Albvorland treten die Vulkanschlote als kegelförmige Berge auf. So haben zum Beispiel die Limburg, der Turmberg, die Sulzburg bei Oberlenningen, der Spitzberg und Engelberg bei Beuren, der Georgenberg bei Reutlingen, der Metzinger Weinberg sowie der Grafenberg und einige andere einen vulkanisch entstandenen Kern. Die Schlotfüllungen dieser Berge sind verwitterungsbeständiger als die umgebenden Schichten des Braunen Juras und erheben sich deshalb als flache Kegel im Vorland der Schwäbischen Alb. Als Menschen die Schwäbische Alb besiedelten, waren die Vulkanschlote für sie von besonderer Bedeutung, denn sie fanden dort Wasser. Dieses sammelte sich auf den wasserstauenden vulkanischen Tuffen und floss nicht, wie sonst für die verkarstete Albhochfläche typisch, rasch ab. Der bekannteste dieser ehemaligen Süßwasserseen ist das Randecker Maar, ein Vulkanschlot, heute unmittelbar am Albtrauf gelegen. Er hinterließ feingeschichtete Kalke mit schön erhaltenen Fossilien: Blüten und Blätter subtropischer Pfl anzen, Insekten, Frösche und Salamander, ja sogar Reste von Säugetieren.

Ein Gruß aus dem All hinterlässt Spuren
Es dauerte nur wenige Minuten und ereignete sich vor 15 Millionen Jahren - eine Naturkatastrophe von riesigem Ausmaß, die alles Leben in weitem Umkreis vernichtete. Zwei Meteoriten schlugen mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 km in der Sekunde nur rund 40 km voneinander entfernt auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb ein. Der Einschlag des größeren Meteoriten führte zur Entstehung des bekannten Nördlinger Rieses. Der kleinere Meteorit besaß einen Durchmesser von ca. 80 m und hinterließ im Gebiet der heutigen Gemeinde Steinheim am Albuch einen kreisrunden Krater von 3,5 km Durchmesser. Beim Einschlag entstand ein Druck von über 100.000 Atmosphären und Temperaturen von einigen 10.000°C. Demzufolge verdampften der Meteorit und das umgebende Gestein beim Aufschlag, so dass ein Krater von rund 250 Metern Tiefe entstand.

Durch den Einschlag breiteten sich Stoßwellen aus, der Krater wurde ausgesprengt und dabei eine riesige Menge an Trümmermassen ausgeworfen. Ähnlich wie bei einem Tropfen, der auf die Wasseroberfläche auftrifft, bildete sich ein Randwall und als Folge der Rückfederung stieg der heute noch deutlich sichtbare Kegel des Zentralhügels auf. In Sekunden wurden die Gesteine zermahlen und aufgeschmolzen - vom harten Weißen Jura an der Oberfl äche bis tief ins Erdinnere zum Grundgebirge. Gesteinsschollen, zum Beispiel aus Weißjurakalkstein, wurden kilometerweit durch die Luft geschleudert, beim Aufprall schräggestellt, gestaucht und gefaltet. Schließlich entstand im Sprengkrater ein Süßwassersee, in dem rasch neues Leben Fuß fasste. Berühmt sind vor allem die Sande des Steinheimer Beckens mit ihren Süßwasserschnecken, man fand darin aber auch Fische, Schildkröten und Säugetiere.

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